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"electroboy" Film – Feedback, Kritik, Promo

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Bild: “electroboy” Film

Mein Kommentar:
Die Reaktionen zeigen, dass der Film in jedem etwas anderes auslöst.

Einführung

Electroboy erzählt die bewegte Geschichte des Lebens und der Familie von Florian Burkhardt, der aus schwierigen Lebensumständen flüchtete, um die grosse weite Welt zu erkunden auf der Suche nach Ruhm und Anerkennung. Seine Reise ist eine wunderliche Suche nach Identität, die in Angst und Enttäuschung mündet – doch ihm glücklicherweise auch ermöglicht, sich selbst zu finden. Die Figur von Florian Burkhardt alias «Electroboy» verknüpft die persönliche mit der grossen Geschichte, führt sein Weg ihn doch durch die neunziger Jahre, deren grosse Illusion einer «neuen Weltordnung» sich am Ende zerschlug.” (pardolive.ch)

Why this film? To find out who is really behind the dubious façade of this elusive multi-talent and glamour boy. Who is Florian Burkhardt? A risk-taker, an artist or an imposter? Phoenix or fallen Icarus? the cinematic journey with florian leads to an entirely unexpected place. (Marcel Gisler)

Das erste Filmbild ist wie ein Flash: Ein junger Mann sitzt auf einem Stuhl vor einer unverputzten Wand. Die Tapeten sind abgekratzt, der Raum ist leer. Es ist das Bild von Florian Burkhardt, einem heute 40-jährigen Schweizer, der den grössten Teil seines Lebens im Schnellzugstempo durchrast hat. Wenn es auf dieser Reise Haltestellen gab, dann waren sie gekennzeichnet von psychischen Abstürzen, von Panikattacken und totalem Rückzug. Burkhardt, schillerndes, nicht fassbares, entrücktes Multitalent, war ein innerlich Gehetzter. Der Schweizer Regisseur Marcel Gisler versucht zu ergründen, was den Mann in dieses hyperaktive Leben getrieben hat, das immer auch hinterfragt wird: Was ist Dichtung, was ist Wahrheit?
Die changierenden Erscheinungsformen der Person sind schwer zu fassen, kaum unter einen Hut zu bringen: Snowboardpionier und -promoter in der Schweiz. Schauspielstudium in Los Angeles und Intimus künftiger Weltstars wie Kate Winslet und Leonardo DiCaprio. Topmodel für Gucci, Prada, David LaChapelle etc. zwischen Mailand, Paris, London und New York. Internetpionier mit Aufträgen bedeutender Grossfirmen wie Migros, Bank Leu, Sunrise. Erfolgreicher Party-Event-Veranstalter unter dem Label «electroboy». Komponist und Interpret elektronischer Musik bei einem namhaften Plattenlabel. Und dies alles in weniger als zwölf Jahren. Dann das Ende: Mit 32 Jahren zog sich Florian Burkhardt aus dem öffentlichen Leben zurück. Er lebt heute in Bochum, bezieht eine Invalidenrente, ist auf Medikamente angewiesen und hat Probleme, die Wohnung zu verlassen.
Im Film gibt sich Burkhardt unverstellt, aber eher teilnahmslos. Er redet über seine Geschichten ohne grosse Emotionen, als wären sie kaum erwähnenswert. Was zunächst als grosse Erfolgsgeschichte mit Brüchen daherkommt, erfährt im zweiten Teil des Films eine zusätzliche, fast unheimliche Dimension: die Selbstinszenierung einer Familie, das Verhalten der Eltern, die abgeschottete Kindheit, das Fehlen jeglicher persönlicher Entfaltung. Gisler hat eine respektvolle und transparente Erzählweise gewählt, hat Burkhardts Freunde und Partner befragt und sich und seine Crew mit eingebracht. Das hervorragend und dicht montierte Porträt führt den Betrachter in eine Beklemmung, der nicht zu entkommen ist. Electroboy ist ein intensives Werk über eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, die in den 1990er Jahren, als das Internet aufkam, auch an der Vielfalt seiner zur Verfügung stehenden Ausdrucksmöglichkeiten zerbrochen zu sein scheint.” (Madeleine Hirsiger)

Gedanken / Tagebuch – Juli 2014 3. Teil

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<– Juli 2014 2. Teil

22.7.2014
Eine schreckliche Zeit. Ukraine, Gaza, viele Tote, viele Opfer, Ohnmacht, so vieles bricht zusammen und ich sitze im Cafe (!) und weiss nicht, was ich tun soll. Alles in meinem Leben wirkt lächerlich, wenn man das Leid der anderen Menschen betrachtet. Trotzdem wage ich mich an etwas heran; das Experiment eZigarette. Vielleicht aus Respekt vor meinem eigenen Leben. Respektive der eigenen Gesundheit. Ja, heute wird die Plastikfluppe geliefert. Ich versuche optimistisch zu sein. Vielleicht habe ich die Power, der Tabakindustrie zu entkommen. Vielleicht schaffe ich den Schritt zu etwas mehr Freiheit. Vielleicht ist das unsexy sein mein neues sexy. 

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(Keine Liebe auf den ersten Blick. Wenn man zieht, klingt es wie bei einer Beatmungsmaschine)

Film-Countdown

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23.7.2014

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24.7.2014
Der Tag war erfüllt von der Zugreise nach Freienstein in der Schweiz. Begleitet von einem Freund aus Berlin. Ich liege im Bett in einem der Gästezimmer der Produzentin und könnte weinen. Weil ich Angst habe vor dem “electroboy”-Film, den ich morgen sehe. Es ist die Angst, wie die Familie reagieren wird, wenn sie ihn übermorgen sieht. Denn jetzt ist er fertig und wird uns serviert. Ein Zeitpunkt, den ich gerne in der Zukunft liegen sah. Egal wie sehr ich scheinbar die Hauptperson bin, ich fühle mich als Nebenrolle (im “Film der Familie”?). Denn auf der Suche nach dem Warum gleitet alles ab auf meinen Ursprung. Auf den Acker, in den ich gesät wurde. Dessen Wohlwollen mich scheinbar immer noch nährt.
Und deshalb kann ich vielleicht nicht einschlafen. Doch was könnte passieren? Liebesentzug. Das war und ist die Waffe meiner Mutter, und sie setzt sie gerne und bewusst ein, vor allem gegenüber den anderen Männern in der Familie. Ich habe da mehr Spielraum. Aber auch mich kann es treffen und hat es schon getroffen. Doch wieso hat sie diese Macht über mich? Wieso hat sie diese Macht über alle, die mit ihr zu tun haben? Man wird vorsichtig, fast devot, selbst mit der Filmcrew ist das passiert.
Man geht von einem mässigen Erfolg des Filmes aus. Es wird viel gesprochen im Film, es hat wenig physische Handlung. Die Energie liegt im Wort, die Charakteren sind also die Spannungsträger. Geplant war es anders, doch so fand man es scheinbar besser.
Der Film wirkt wie ein Zeugnis für die Lebensleistung. Doch es ist kein Gott, der es vorlegt, es ist ein Regisseur.
Vielleicht fürchte ich mich vor der “unverstellten Wahrheit” (betreffend Familie), die der Film vermitteln könnte, weil sie das künstliche Konstrukt auflösen könnte, was positiv sein kann, wenn da was Tragendes darunter ist, oder eben nur eine Ruine zurücklässt.

25.7.2014
Vielleicht ist der Film vor allem eine gute Erinnerung an den Spass am Projekt selbst. Verbunden mit den Turbulenzen, die ein Eingriff in die Privatsphäre mit sich bringen kann. 
Morgen sehe ich den Film noch einmal. Zusammen mit der Familie.

Foto: Marcel Gisler und ich im Neuen Kino in Freienstein. (Robert Siuda@Instagram)
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26.7.2014
Meine Familie hat den Film gesehen und…
er gefällt. Jedem einzelnen (scheinbar).
Es war ein aufregender, intensiver Tag mit neuen Bekanntschaften aus dem Schweizer Film und zwei längeren Restaurantbesuchen am Rhein.
Es fühlt sich an, als wäre ein Kapitel abgeschlossen. Ein wichtiges Kapitel. Für alle Beteiligten.
Morgen geht es zurück nach Bochum.
Fazit: Es ging so lange. Es geht so schnell.

Foto: Marcel Gisler und Familie Burkhardt im Neuen Kino in Freienstein
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27.7.2014
Rückreise Freienstein-Bochum. 
Habe ich mich in der Schweiz wohl gefühlt? Irgendwie ja, irgendwie nein. Und jetzt in Bochum? Eigentlich nicht. In zwei Wochen wieder Berlin, meine emotionelle Heimat? Wir werden sehen. Gerade bin ich nicht sehr zuversichtlich.

28.7.2014
Man fragt: Wie ist der Film? Nicht: Wie findest du den Film.
Finde ich mich im Film wieder? Ja.
Meine Mutter fragt: Was kommt nach dem Film?

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29.7.2014
Die letzten Tage in Bochum. Ich sitze in der veganen Eisdiele, aus den Lautsprechern fliesst Kuschelpop und eine pummelige Bedienung schmeisst alles runter, was man runterschmeissen kann.
Jeder in Bochum Ehrenfeld scheint zu wissen, dass ich weg ziehe. Nur der Zielort scheint zu varieren.
Ich habe eine To-Do-Liste für den Umzug erstellt, die es nun abzuarbeiten gilt.
Ich weiss, dass L. gerne gerimmt wird und dass Fleischfresser Arschlöcher oder Unwissende sind. Ich weiss auch, dass der esoterisch redende Rastamensch hinter mir unangenehm riecht. Und dass Mops Hugo mich gestern eine Stunde abgeleckt hat, so gross war die Wiedersehensfreude.image

Ist das so?:

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30.7.2014
Könnt ihr aufhören zu denken im Alltag? Ich funktioniere manchmal scheinbar “nur”, wenn ich mein Tagesprogramm abspuhle. Wenn ich die Handlungen hinterfrage, scheinen sie keiner Energie wert. Deshalb staubsauge ich im geistigen Stillstand. (Ich weiss nicht, worauf ich hinaus will.) Im Cafe sitze ich mit dem Handy verwachsen. Mit Orgasmen verbinde ich immer mehr meinen Computer und die Wixvorlagen, die sich darauf befinden.
Ich kann mich nicht berieseln lassen. Selbst Filme schauen finde ich im Moment zu passiv. Ich will (wenigstens) aktiv sein in meiner Passivität. Denn erlebnistechnisch passiert in meinem Leben nicht viel, weil ich nicht kann? Was genau nicht? Meinen körperlichen Radius erweitern? Aus der Sicherheitszone herausbrechen? Dabei ist der “Käfig” offen.

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31.7.2014
Manchmal denke ich, wieso ich mir überhaupt so viele Fragen stelle. Irgendwie klappt ja doch immer alles. Ich komme von A nach B. Und zurück nach A. Und von dort nach C. Ich funktioniere. Am besten, wenn ich mir keine Gedanken mache.

Wie ist es, sich selbst auf der Leinwand zu sehen?
Würde ich auf einer Bühne sitzen und live zu einem Publikum sprechen, wäre mir das bestimmt unangenehm und ich würde mich ausgestellt fühlen. Beim Film ist das gar nicht so. Ich sehe mich als Projektion auf der Leinwand, und als solche ist sie in ihrer gefestigten Form nicht verletzbar. Der Link zu mir funktioniert gut, weil ich mich in dieser Figur wiederfinde. Sie steht wie ein Schutz zwischen mir und dem Publikum.

Heute hilft mir die Familie meines Partners (er ist noch in Barcelona), den ganzen Müll aus dem Keller wegzukarren. Und den Sperrmüll rauszutragen. Dazu gibt es ein entsprechendes Tshirt (nein, das ist weder Dada noch klug):

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Ein Freund hat unsere Wohnung in Berlin entgegengenommen. Fühlt sich toll an, wieder in Berlin zu wohnen (auch wenn ich noch in Bochum bin für neun Tage).

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August 2014 1. Teil —>

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© 2014 electroboy, Creative Commons

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